Knorpeldefektbehandlung

Der Gelenkknorpel hat eine hohe Druckelastizität und findet sich deshalb überall dort, wo hauptsächlich Druckbelastungen auftreten wie z.B. in den meisten Gelenkflächen.

Wunden des Gelenkknorpels entstehen durch direkte oder indirekte Verletzung oder Schädigung. Sie führen zu kleineren oder größeren Defekten, die in der Wachstumsperiode spontan repariert werden können. Nach Abschluss des Wachstums besitzt der Gelenkknorpel keine ausreichende Reparationsfähigkeit mehr. Eine Autoregeneration findet in der Regel nicht mehr statt.
Knorpelschäden können in jedem Alter auftreten und unterschiedliche Ursachen haben, z.B. können Knorpelschäden als Begleitverletzungen bei Kreuzbandschäden oder Kniescheibenverrenkungen entstehen. Zudem kann es bei sportlichen Aktivitäten, aber auch bei alltäglichen Bewegungen zu extremen Fehl-/Überbelastungen des Gelenkknorpels kommen, die dazu führen können, dass sich aufgrund der einwirkenden Kräfte ein Gewebestück vom Knorpel ablöst. Nicht immer sind solche Knorpelschäden mit Schmerzen verbunden.

Lokale Knorpelschäden ohne erkennbare Ursache können insbesondere am oberen Sprunggelenk, Knie- und Ellenbogengelenk auftreten. Die Osteochondrosis dissecans (OD) ist eine Erkrankung des unter dem Knorpel liegenden Knochens, die in der Folge zu einer Schädigung des Gelenkknorpels führen kann. Im Verlauf einer OD sterben eng eingegrenzte Knochenareale unterhalb des Gelenkknorpels ab, wobei sich der darüber liegende Knorpel in Folge dessen vom Knochen lösen kann.

Bleibt der Knorpelschaden unbehandelt, kann dies oftmals vorzeitig zu einer Arthrose führen. Löst sich ein Knorpelstück vollständig ab, kann es zu einer Gelenkblockade mit akuten starken Schmerzen und Bewegungseinschränkung kommen.
Chronische Knorpelschäden, welche über längere Zeit durch Abnutzung entstehen, machen im Anfangsstadium Schmerzen bei Belastung begleitet von Schwellungen des betroffenen Areals. Schreitet der Knorpelschaden fort, verstärken sich die Schmerzen - insbesondere in Ruhe und nachts. Typischerweise lassen die Schmerzen nach einer Warmlaufphase zunächst nach und nehmen dann nach einer gewissen Belastung wieder zu. Zudem treten häufig Gelenkergüsse auf -  insbesondere im Kniegelenk.

Jährlich erleiden ca. 6 Mio. Patienten Knorpelschäden im Kniegelenk. Allein in Deutschland werden jedes Jahr zehntausende Menschen am Knorpel behandelt. Der jährliche Anstieg der Gelenkserkrankungen kann auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:
  • Zunahme der Lebenserwartung
  • Zunahme des Breitensports über alle Altersgruppen
  • Zunahme der Risikosportarten
  • Mobilität bis ins hohe Alter
  • Zunahme des Körpergewichts in der Bevölkerung
  • Rückgang der Implantation von künstlichen Gelenken bei Patienten unter 60 Jahren


Einige mögliche operative Behandlungsmethoden für Knorpeldefekte im Gelenk

  • Knorpelglättung und Gelenksspülung führt in der Regel zu keiner Knorpelregeneration
  • Knochenmarkstimmulierende Verfahren bilden in der Regel Faserknorpel mit limitierter Funktionalität und Beständigkeit *
  • Autologe Knochen-Knorpel-Transplantation ist verbunden mit einer Entnahmemorbidität des Transplantats im Gelenk
  • Autologe Knorpelzelltransplantation (ACT und MACT) benötigt in der Regel zwei operative Eingriffe, ist ein eher aufwendiges und teures Verfahren
  • Künstlicher Gelenkersatz hat nur eine begrenzte Standzeit und wird in der Regel immer mehr nur für Patienten über 60 Jahre eingesetzt

* Mithoefer K et al. Clinical efficacy of the microfracture technique for articular cartilage repair in the knee: an evidence-based systematic analysis. Am J Sports Med. 2009 Oct;37(10):2053-63.

Kreuz PC et al. Is microfracture of chondral defects in the knee associated with different results in patients aged 40 years or younger? Arthroscopy. 2006 Nov;22(11):1180-6.